gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Patienten nach Intensivtherapie

Stress, emotionales Gedächtnis und gesundheitsbezogene Lebensqualität bei Patienten nach Intensivtherapie

apl. Prof. Dr.med. Gustav Schelling und Kooperationspartner

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Klaus Peter

Moderne Methoden der Intensivmedizin ermöglichen selbst schwerstkranken Patienten ein Überleben mit einer oft erstaunlich guten gesundheitsbezogenen Lebensqualität. Die Intensivbehandlung bedeutet aber für solche Patienten nicht nur eine notwendige und oft lebensrettende medizinische Maßnahme, sondern auch eine physische und psychische Extrembelastung. Patienten nach Intensivbehandlung berichten gehäuft über traumatische Erinnerungen an die Intensivtherapie, die mit einer vergleichsweise hohen Inzidenz an stressassoziierten Erkrankungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung verbunden sind. Traumatische Erinnerungen gelten als besonders lange anhaltend und extrem löschungsresistent. Die "Enkodierung" traumatischer Erlebnisse und Erfahrungen in das emotionale Gedächtnis erfolgt u.a. auch durch die im Rahmen der ursprünglichen Stressreaktion freigesetzten Stresshormone Adrenalin oder Noradrenalin und umso intensiver, je ausgeprägter diese Stressreaktion ist. Bei Patienten mit Posttraumatischen Belastungsstörungen nach Intensivtherapie erfolgt aber nicht nur eine verstärkte Enkodierung traumatischer Erlebnisse, sondern es erfolgt sehr wahrscheinlich auch keine adäquate Löschung traumatischer Informationen bei gleichzeitig erleichterter Abrufbarkeit traumatischer Erinnerungen. Eine besondere Rolle dabei spielt das Nebennierenhormon Cortisol. Lange Zeit wurde der Beginn einer akuten Stressreaktion praktisch mit einem Anstieg der Cortisols und deren Ende mit einem entsprechenden Abfall gleichgesetzt. Neuere Erkenntnisse haben jedoch gezeigt, dass die Konzentration dieses Hormons im Blut bei vielen Patienten mit stressassoziierten Erkrankungen wie der Posttraumatischen Belastungsstörung nicht erhöht, sondern interessanterweise erniedrigt ist. Von besonderer Wichtigkeit dabei ist der Effekt von Cortisol auf die Gedächtnisfunktion. Cortisol besitzt einen hemmenden Einfluss auf die Abrufbarkeit traumatischer Gedächtnisinhalte und erleichtert deren aktive Löschung. So konnte unsere Arbeitsgruppe zeigen, dass sich durch eine temporäre Erhöhung der Cortisolwerte während Intensivtherapie bei Patienten mit hohem Risiko die Inzidenz Posttraumatischer Belastungsstörungen im Langzeitverlauf signifikant senken lässt und sich so eine Verbesserung der Ergebnisqualität in der Intensivmedizin erreichen lässt.

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