Sebastian Elsaesser, psychologischer Psychotherapeut,
Forschungsgesellschaft für Prozessorientierte Psychologie Zürich-Stuttgart

Abstract zum Workshop auf dem Kongress "Traumland Intensivstation" 2005

Menschen in Extremsituationen wie auf der Intensivstation sind in eine ungewisse, oft lebensbedrohliche Situation hineingeworfen.
Die Sorgfalt der Umgebung auf ihren Körper und die eigene Abgelöstheit vom alltäglichen Bewusstsein lässt andere Dimensionen des Seins zum Vorschein kommen, die bisher noch viel zu wenig beachtet, erforscht und begleitet sind.

Die Durchgangssituation auf der Intensivstation kann viele Ebenen veränderter Bewusstseinszustände auslösen, die z.T. potentiell initiatischen Charakter haben, in der sich der Mensch z.B. zerstückelt fühlt und auf neue Art zusammengesetzt wird oder sich in die Weite hineinlöst. Parallel zur hochtechnisierten Apparatemedizin findet ein Geschehen statt, das subjektive Erfahrungshorizonte weit übersteigt.

In dem Seminar geht es darum, wie wir uns für die Begegnung mit der Geistigen Welt in dieser spezifischen Situation bereit machen können.
 Hier braucht es ganz andere Voraussetzungen als zur medizinischen Behandlung und Pflege: Wie kann ich dem Menschen mit Staunen und Ehrfurcht begegnen? Wo ist der Patient mir in diesem Augenblick voraus? Wo kann ich von ihm lernen? Wie kann ich geistlich mit ihm in Resonanz kommen? Welche Botschaft kommt mir entgegen?

Außer Erfahrungen aus der Praxis sollen Zugangsweisen in die geistige Region mit Menschen in Extremzuständen erkundet werden. Dabei geht es um einen phänomenologisch prozessorientierten Ansatz, der die Offenheit für das Größere enthält, und der erfahrungsorientiert auch unseren großen religiösen Traditionen Platz lässt.
Wesentlich ist die eigene Haltung als Begleiter gegenüber Extremzuständen, Tod und geistigen Wirklichkeiten zu erkunden und die Fähigkeit der Zeugenschaft auszubilden, ein sich entwickelndes Schauen und Lauschen, das immer urteilsfreier und weiter wird.

Grundlegend ist ebenso eine Arbeit mit sich selbst und eine Bildung der Aufmerksamkeitsfähigkeit, um in die Kommunikation mit der Essenz des Menschen zu kommen.

Am Horizont geht es darum, wie ich in einer ehrfurchtsgebietenden Grenzsituation zu einem geistigen Handeln komme.

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