Peter Frör , Pfarrer, Lehrsupervisor DGfP
Ökumenisches Seelsorgezentrum am Klinikum der LMU München
von 1985 – 2005

Sebastian Elsaesser, psychologischer Psychotherapeut, Forschungsgesellschaft für Prozessorientierte Psychologie Zürich-Stuttgart

Abstract zum Vortrag auf dem Kongreß "Traumland Intensivstation“ 2005

In den zwei einleitenden Vorträgen zum Thema werden unterschiedliche Schwerpunkte gesetzt, dennoch sind sie aufeinander bezogen.

Hintergrund sind dabei die Erkenntnisse, welche die beiden Vortragenden in ihrer Kooperation und gegenseitigen Herausforderung seit 1997 am Klinikum Großhadern als einen Forschungs- und Entdeckungsweg entwickelt haben.

Der Ausgangspunkt ist, bei Anerkennung und Vernetzung mit dem zeitgenössischen medizinischen Paradigma über die physische Sorgfalt auf der Intensivstation hinauszugehen. Wie können wir mit Menschen in Begegnung kommen, die als nicht ansprechbar gelten? Wie kommen wir in das "unbekannte Land“, ohne vom Patienten zu erwarten, dass er wieder in unsere gewohnte Welt zurück kommen muß? Wie können wir in Kontakt bleiben und gleichzeitig unsere eigene Bewußtseinssituation als Werkzeug ausbilden?

Die Begegnung in der nicht alltäglichen Welt verlangt einerseits vom Begleiter eine Offenheit und Wandlungsfähigkeit, andererseits aber auch einen klaren Standpunkt, von dem er ausgeht. Wir thematisieren die Voraussetzungen und die innere Haltung des Seelsorgers/ Begleiters, damit die Suchbewegung gelingen kann.

Die Erkenntnisse aus der Seelsorge werden mit einem phänomenologisch-prozessorientierten Ansatz verknüpft, bei dem das Lesen von minimalen Signalen und das sich Einlassen auf unterschiedliche Wahrnehmungskanäle eine Rolle spielen. Auch stark veränderte Bewusstseinszustände aus anderen Kontexten, wie sie in anderen Kulturen in ihrer reichen Phänomenologie zum Ausdruck kommen, werden zum Verständnis der Bewußtseinssituation von Patienten auf Intensivstationen einbezogen.

Über die Jahre haben sich die Erkenntnisse der beiden Vortragenden zu einer "Kleinen Seelsorgelehre“ in diesem Feld verdichtet, die in ihren Grundzügen zur Darstellung kommen wird. Wir hoffen damit eine Offenheit für weitere Fragestellungen und Suchbewegungen auf den Weg zu bringen.

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