Veränderte Bewusstseinszustände – Kommunikation – Begleitung - Ethik

Als Seelsorger(in) zwischen den Welten

Intensivtraining mit Praxisreflexion

Im Klinikum der Technischen Universität München bieten wir regelmäßig eine 2 x 5tägige Weiterbildung in "Seelsorge jenseists der Sprache" an. Der Kurs findet in Trägerschaft des Instituts für Theologische und Pastorale Fortbildung Freising statt.


Kurs 2016/2017: Ausschreibung - siehe unten

Achtung: 2017/18 findet keine Weiterbildung statt. 

Bisheriger Titel der Weiterbildung: "Traumland Intensivstation - Seelsorge auf Intensivstation"

abb1schelling.jpgInhalte und Ziele:

Im Krankenhaus, auf der Intensivstation, im Hospiz oder Pflegeheim befinden sich Menschen in vitalen Grenzsituationen. Unsicherheit, Angst, Sorge und Hoffnung sind wohl die primären Gefühle, die Patienten, Angehörige, aber auch das Personal in diesen Räumen in je eigener Weise bestimmen.

Patienten erleben in dieser Zeit oft ungewohnte seelische und Bewusstseinszustände (Koma, Durchgangssyndrom, Delir, Demenz, Schlaganfall etc.). Dies gilt auch und im Besondern für den Prozess des Sterbens. Veränderte oder komatöse Bewusstseinszustände bedeuten jedoch nicht „Abwesenheit“, nicht die „Unfähigkeit“ zur Wahrnehmung und nicht das „Fehlen“ von tief menschlichen Bedürfnissen wie Zuwendung und Kommunikation.

Kranksein ist heute meist bestimmt durch den Blick auf (körperliche) Defizite und den Kampf ums (nackte) Überleben. Dass sich in dieser Zeit auch tiefe seelische und spirituelle Lebensprozesse ereignen, ist noch wenig bekannt. Diese bedürfen der Wahrnehmung, der Beziehung und der Unterstützung, um sich zu entfalten und zu einer bewussten und bedeutsamen Erfahrung zu wandeln.

Welche Rolle haben Seelsorgerinnen und Seelsorger in diesen Prozessen? Wie nähern wir uns Menschen, deren Kommunikation nicht (primär) über die Sprache erfolgt, um sie in dieser Zeit geistlich zu unterstützen? Wie finden wir eine Orientierung? Wie gehen wir mit der Ambivalenz dieser Zustände und Orte um, die sich zwischen Leben und Tod, gut und böse, schützend und bedrohend befinden und ereignen? Welche Bedeutung haben diese Zustände und Ereignisse für mich und wie gehe ich mit meinen Reaktionen um? Welche Wechselwirkungen und Einflüsse hat das Feld (Patienten, Angehörige, Personal, Institution, System) auf den Heilungs- und Bewusstseinsprozess? Was bedeutet dies für eine Ethik der Kommunikation, die nach dem Verstehen sucht, auch wenn die Signale des Gegenübers nicht vertraut, eindeutig oder minimal sind.

Diesen und weiteren Fragen werden wir gemeinsam im Kurs nachgehen und Antworten sowie Perspektiven entwickeln, die eigene Rolle als Seelsorger(in) zu finden, anzunehmen und auszufüllen. Die Erkenntnisse, Modelle und Methoden der prozessorientierten Psychologie nach Arnold Mindell bieten eine hervorragende Grundlage für eine seelsorgerliche Haltung und Vorgehensweise im Umgang mit Menschen in veränderten Bewusstseinszuständen und an den Grenzen des Lebens.

Methodik

Psychologische und theologische Theorieeinheiten, intensive praktische Übungen in der Gruppe (z.B. Partnertraining im Klinikbett, Kontemplations- und Wahrnehmungsübungen, Prozessarbeit) und konkrete Begegnungen und Besuche auf Stationen des Klinikums der TU München sowie die persönliche Reflexion und gemeinsame Supervision der Praxis im je eigenen Krankenhaus (in der Zeit zwischen den beiden Kursteilen) in Fallberichten und –protokollen. Weiterer Bestandteil des Kurses sind Gespräche mit Ärzten und Pflegenden.

Der Kurs wird nach einem bereits bewährten Curriculum durchgeführt.

Zielgruppe und Teilnahme

SeelsorgerInnen, die in einer Klinik, einem Pflegeheim, Hospiz oder einer vergleichbaren Einrichtung mit veränderten Bewusstseinszuständen konfrontiert werden. Ein sechswöchiger KSA-Kurs oder eine quivalente Fortbildung (intensiver Selbst- und Gruppenerfahrung [Reflexion, Supervision] sowie die

Arbeit mit Verbatim) ist Voraussetzung zur Teilnahme. Die Anzahl der TeilnehmerInnen ist auf 8-10 begrenzt. Auch Interessierte anderer Berufsgruppen können sich gerne bewerben, sofern sie eine entsprechende Eignung mitbringen.

Ablauf

A. Woche I:

Einführung mit Grundlagentheorie, Übungen, Reflexion und Praxisfeld im Klinikum der TU München.

24.-28. Oktober 2016 Beginn: Montag, 10.00 Uhr Ende: Freitag, 15.00 Uhr
Ort: Klinikum der Technischen Universität München, rechts der Isar

B. Praxis in der eigenen Klinik

Umsetzung des Gelernten und Erfahrenen im eigenen Praxisfeld, Erstellen von 5 Fallprotokollen mit zeitnahem Feedback durch die Kursleitung.

C. Woche II:

Reflexion der Arbeit im eigenen Arbeitsfeld in Gruppensupervision anhand von Protokollen, Vertiefung der Theorie und Praxis. Anleitung und Erweiterung in intensiven Übungseinheiten.

06.-10. März 2017 Beginn: Montag, 10.00 Uhr Ende: Freitag, 17.00 Uhr
Ort: Klinikum der Technischen Universität München, rechts der Isar

Leitung:

Peter Ammann

Diplom-Psychologe und Heilpraktiker. Praxis für Prozessorientierte Psychologie, Mitglied der Research Society for Process Oriented Psychology U.K., London. www.peterammann.de

Thomas Kammerer

Diplom-Theologe, Pfarrer, Rettungssanitäter, Schwerpunkt Intensivstation, Psychotraumatologie und Krisenintervention, Klinikum der Technischen Universität München, Seelsorge

Veranstalter:

Erzdiözese München und Freising
Institut für Theologische und Pastorale Fortbildung Freisingtheol_fb_logi.gif

Domberg 27, 85354 Freising Telefon:0 81 61 / 181 – 22 22 Fax: 0 81 61 / 181 – 21 87
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
www.TheologischeFortbildung.de

in Kooperation mit dem
Fachbereich Krankenhausseelsorge der Erzdiözese München und Freising

Kursgebühr:

1300,00 € (ohne Übernachtung und Verpflegung)

Die Fortbildungskosten und -tage können gegenüber dem Anstellungsträger meist auf 2 Jahre verteilt werden!!!

Nähere Informationen zu Übernachtungsmöglichkeitnen erhalten Sie mit Ihrer Anmeldebestätigung.

Anmeldung:

mit  Anmeldeformular sowie einem kurzen Begleitschreiben (ca. 1 Seite) mit persönlichen Ausführungen über den relevanten Tätigkeitsbereich und die Motivation für diese Fortbildung

Anmeldeschluss für den Kurs 2016: 30. August 2016

Rücktritt: bis Anmeldeschluss 15 € Bearbeitungsgebühr, danach volle Kursgebühr außer bei Ersatzteilnehmer  

pdfAusschreibung 2016/1721/07/2015, 15:16 mit Anmeldeformular zum Herunterladen

 


Erfahrungen von Kursteilnehmern:

„Es ist immer jemand da drinnen!“

Menschen im Koma sind nicht bewusstlos sondern in einem veränderten Bewusstseinszustand. Sie können ganz da sein und uns hören, deswegen ist es schon sehr wichtig, nicht neben ihnen, über sie mit anderen zu sprechen.

Manche Patienten, die aus einem Koma erwacht sind, können erzählen, was sie gehört und wahrgenommen haben und welche Erfahrungen sie in dieser Zeit gemacht haben. Patienten berichten auch, dass traumatische Erlebnisse, die sie während des Komas gemacht haben immer noch nachwirken. Nicht zu letzt deswegen benötigen Komapatienten gute Begleitung in ihrem veränderten Bewusstseinszustand.

Indem wir Kommunikationsmethoden (nach Amy und Arnold Mindell) anwenden, die an dem veränderten Bewusstseinszustand angepasst sind, können wir mit Menschen im Koma Verbindung aufnehmen und mit ihnen kommunizieren. Wir können in mitfühlender Art und Weise da sein, damit sie sich nicht verlassen, isoliert oder ausgeliefert fühlen. Ist Nähe und Verbindung zu ihnen einmal hergestellt, können wir sie auf ihrer inneren Reise begleiten, ihnen Mut und Vertrauen für ihren inneren Weg vermitteln und sie unterstützen, ihren inneren Erfahrungen zu folgen und diese zu entfalten.   

Die Kommunikation mit Komapatienten braucht Zeit, unsere ganze Präsenz, Achtsamkeit und unsere Absichtslosigkeit.

Absichtslosigkeit deswegen, weil es darum geht, auf den Bewusstseinszustand und die inneren Erfahrungen der Komapatienten einzugehen. Indem wir die Menschen im Koma unterstützen, ihren inneren Erfahrungen zu folgen, helfen wir ihnen, ihrem eigenen momentanen Heilungs-Prozess zu folgen. Dabei kommunizieren sie mit uns in winzigen Signalen, die Ausdruck und Zeichen der inneren Erfahrung sind. Diese Signale können sich zeigen als minimale Mund- und Augenbewegungen, Veränderung der Hautspannung und Hautfarbe, als Muskelreaktionen und als veränderte Atemgeräusche. Sie werden dann sprachlich wertgeschätzt und sinnorientiert zurückgemeldet. Diese Kommunikationsart unterstützt die komatösen Menschen, ihrem inneren Prozess zu folgen und dabei auf ihren eigenen Weg zu vertrauen.  

März 2013, Angelina Sitzberger, KlinikumTraunstein


 

Ein Kollege erzählte von einer Fortbildung, die er vor einiger Zeit gemacht hatte - Traumland Intensivstation. Diese Fortbildung sei sehr interessant, für die Arbeit hilfreich, aber auch anstrengend gewesen. Neugierig geworden suchte ich im Internet und entdeckte das von Thomas Kammerer herausgegebene Buch „Traumland Intensivstation“. Das Buch faszinierte mich – ich wollte noch mehr wissen und auch erfahren, und so meldete ich mich zu dieser Fortbildung an, gespannt darauf, was ich dabei lernen und erleben werde, neugierig auch auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und auf die Leitung. Thomas Kammerer und Christine Pöhlmann kannte ich ja, über Peter Ammann „googelte“ ich und war dann noch gespannter auf ihn. Als ich die Teilnehmerliste bekam, war ich sehr erfreut, dass es nur eine so kleine Gruppe war, bunt gemischt, quer durch Deutschland bis in die Schweiz.
Spannend erlebte ich gleich den ersten Tag – wir schlichen alle in und vor der Kapelle des Klinikums Großhadern herum – schauten uns an und vermuteten, dass wir wohl alle das gleiche Ziel hätten – so war es dann auch.
Wir machten uns auf den Weg in ein unbekanntes Land, von dem immer wieder behauptet wird, dass Menschen, die dort sind, nichts mehr „mitbekommen“. Dieser Meinung war ich zwar nie, aber trotzdem war ich unsicher im Umgehen mit Koma-PatientInnen. Manches hatte ich bereits intuitiv „richtig“ gemacht, Vieles lernte ich nun in der Auseinandersetzung mit der Koma-Arbeit von Amy Mindell. Durch praktische Übungen mit den Kolleginnen und Kollegen wurde mir klarer, was ich vorher schon gelesen hatte. Ich erfuhr, welche Möglichkeiten wir haben, mit Menschen in veränderten Bewusstseinszuständen in Kontakt zu kommen, wie „einfach“ diese Kontaktaufnahme ist, wenn wir Zeit und Geduld mitbringen und uns klar ist, was wir wie und warum tun, wie wichtig es ist, sensibel und vorsichtig mit diesen Menschen umzugehen.
Die Aufteilung der Fortbildung in drei Abschnitte finde ich sehr hilfreich. In der ersten Woche lernten wir nicht nur Theoretisches, sondern hatten auch die Möglichkeit, mit unseren Kolleginnen und Kollegen einiges auszuprobieren. Sehr berührend und bereichernd waren für mich die Besuche auf „meiner“ Intensivstation in Großhadern (Jede und jeder besuchte in dieser ersten Woche PatientInnen auf einer der vielen Intensivstationen in diesem Klinikum.) - wo ich versuchte, das Gelernte ganz vorsichtig bei Menschen in verändertene Bewusstseinzuständen anzuwenden.
Der zweite Teil der Fortbildung bestand in der Arbeit auf den Intensivstationen in unserem eigenen Arbeitsfeld. Das Schreiben der Begegnungsprotokolle half mir, das Erfahrene noch besser zu ver-stehen und ermöglichte mir auch eine intensivere Auseinandersetzung mit den jeweiligen Patienten und Angehörigen. Sehr hilfreich erlebte ich auch die behutsamen Kommentare, die ich zu meinen Protokollen durch die Kursleitung erhielt.
In der dritten und letzten Woche standen unsere mitgebrachten Begegnungsprotokolle im Vordergrund, deren Besprechung für mich ein „Highlight“ in diesem Kurs war. Geleitet durch die äußerst kompetente Supervisorin Christine konnten wir anhand der einzelnen Verbatims und durch gemeinsames Erleben sehr viel im Umgehen mit Koma-Patienten lernen. Durch äußerst interessante Kurzreferate der einzelnen KursteilnehmerInnen war ein weiteres Lernen von Theorie möglich. Die praktischen Übungen miteinander halfen, das Gehörte, Gelernte noch einmal anders zu erleben, uns die Koma-Arbeit noch näher zu bringen.
Das behutsame, wertschätzende Umgehen miteinander und die kompetente, einfühlsame Leitung machten für mich den Kurs zu einer ganz wichtigen, auch sehr bereichernden Fortbildung.
Ich möchte Kolleginnen und Kollegen ermutigen, sich auf diese „Traumreise“ einzulassen. Ich konnte von dieser Reise Vieles für mich persönlich und für meine Arbeit mitnehmen. Ich kann mir gut vorstellen: Wenn mehr KlinikseelsorgerInnen diese Art der Fortbildung erleben können, kann die Begleitung von Menschen in anderen Bewusstseinszuständen in den Kliniken noch einfühlsamer und auch liebevoller werden.
Noch einmal ein herzliches Dankeschön an die Kursleitung, aber auch an die TeilnehmerInnen für die bereichernde gemeinsame Arbeit.
Dem Kurs wünsche ich, dass er noch oft stattfinden und noch vielen Seelsorgerinnen und Seelsorgern Rüstzeug für das Umgehen mit Koma-PatientInnen mitgeben kann.

Mai 2010, Mag. theol. Christine Fleck-Bohaumilitzky, Pastoralreferentin, AmperKliniken Dachau


Neugierig geworden durch die Erzählungen einer Kollegin, die diese Fortbildung ein Jahr zuvor gemacht hat, habe ich mich aufgemacht, zunächst nicht wirklich wissend, was mich wohl erwarten würde. Ein paar Fragen hatte ich in meinem Gepäck allerdings dabei: Was kann ich gegen meine so oft erlebte Hilflosigkeit auf einer Intensivstation tun? Wie erreiche ich die Menschen in ihren bedrohlichen Lebenssituationen? Kann ich ihr Erleben wenn auch nur annähernd für mich verstehen und deuten?

Die 1.Kurswoche hat mich dann mitgenommen auf die Reise in das unbekannte Land. Eine Einführung in die Prozessorientierte Psychologie, in die Erlebniswelt veränderter Bewusst­seinszustände  und das Erlernen erster Begrifflichkeiten aus der Komaarbeit nach Amy Mindel ließen mich erahnen, dass es jenseits unserer „normalen“ Welt noch eine andere Wirklichkeit gibt, in die Menschen hineingeraten können. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes  durch erste praktische Übungen  begriffen, dass wir Möglichkeiten haben, Menschen in diesen veränderten Bewusstseinszuständen wahrzunehmen, ihnen Ansehen zu geben, ja ihnen zu begegnen.

Nach einer intensiven ersten Woche fuhr ich nach Hause. Zurück in „meiner“ Klinik durfte ich erste Gehversuche machen, mit dem, was ich gelernt hatte. Meine Wahrnehmung war geschärft worden auf minimalste Körpersignale meines Gegenübers zu achten, sie zu benennen, mit ihnen in Berührung zu gehen. Bis zur 2. Kurswoche hatte ich die Möglichkeit Begegnungsprotokolle anzufertigen und einzuschicken – liebevoll kritisch durch die Kursleitung kommentiert, konnte ich daran schon in der Zwischenzeit ganz viel lernen.

Nach etwa 4 Monaten machte ich mich wieder auf, zur 2. Kurswoche, diesmal mit einem gewissen Forschergeist und dem Bedürfnis noch ganz viel Spannendes zu erfahren. Meine Erwartungen wurden nicht enttäuscht.  In vielen praktischen Übungen, sowohl in der Partner­arbeit als auch allein, gelang es mir zunehmend meinen Wahrnehmungssinn zu schärfen und Handwerkszeug zu bekommen, um Menschen in ihren veränderten Bewusst­seins­zuständen aufzusuchen und vor allem auch zu finden.

Der Kurs hat mich  in eine andere Welt geführt, die ich vorher vielleicht nur erahnt habe. Es gab bei mir wohl schon zuvor ein Erfahrungswissen als Seelsorgerin in der Begegnung mit Patienten, in festen Schuhen war ich gut unterwegs. Jetzt, nach diesen Kurswochen, gehe ich eher barfuß, noch feinfühliger geworden für die ganz kleinen „Krümel“, für alles Stille und Zarte.

Als Seelsorgerin war ich auf einer ITS oft sprachlos, angesichts der Situationen, die ich manches Mal dort vorfand, ja oft habe ich mich dort nutzlos, wenig hilfreich und im Weg stehend erlebt. Meine offenen Fragen am Beginn dieser Reise haben im Verlauf der Wochen viele Antworten bekommen. Der Kurs hat mir zu einem neuen und veränderten Selbstbewusstsein und Selbstverständnis als Seelsorgerin auf einer Intensivstation  ver­holfen.

Wer jetzt Lust bekommen hat sich auch auf eine solche Expedition zu begeben, den möchte ich ermutigen, sich aufzumachen in das Traumland – dort warten Menschen auf uns, die es verdient haben, dass wir ihnen liebevoll, wertschätzend ein Gesicht geben.

April 2010, Dorothea Weiss,MHH Kinderklinik und AKK Laatzen

 


Die Teilnahme an dem Kurs „Traumland Intensivstation – Als SeelsorgerIn zwischen den Welten“ war für mich als Seelsorger, der täglich Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen im Universitätsklinikum begleitet, von großer Bedeutung. Die Verbindung von prozessorientierter Psychologie und Seelsorge ermöglicht es, sensibel zu werden, um mit Menschen in veränderten Bewusstseinszuständen in Kontakt zu treten. Sie bietet eine Qualifizierung für das Betreten einer anderen Welt. Die theoretischen und praktischen Einheiten sind ausgewogen aufeinander abgestimmt. Für mich sind Menschen in Veränderten Bewusstseinszuständen erreichbar geworden. Ich darf ihnen ein glaubwürdiger Zeuge dafür sein, dass sie noch am Leben sind.

Hamburg 14. April 2010, Ludwig Haas, UKE

 


Die Arbeit als Seelsorger auf einer Intensivstation ist eine besondere Herausforderung. Diese war der Grund, mich für den Kurs „Traumland Intensivstation“ anzumelden. Die Grundthese, die Mindell formuliert, überzeugt: wenn wir einen Patienten in veränderten Bewusstseinszuständen auf der Intensivstation haben, setzt sich das ganze Behandlungs-team zusammen und spricht, wenn nötig oder möglich, mit den Angehörigen. Niemand jedoch spricht mit dem Patienten. So überzeugend die These, so schwierig deren Umsetzung. Im Kurs haben wir diese 'Gespräche' mit Patienten gelernt und geübt. Das macht Mut und ist Ansporn, das Gelernte anzueignen und zu vertiefen. Sowohl die Kursleitung als auch die Gruppe boten dafür ein hervorragendes Milieu.

Ich kann den Kurs Menschen, die auf Internsivstationen als Seelsorgende arbeiten, vorbehaltlos empfehlen.

Basel, 29. März 2010, Jürg Merz

 


Seit 5 Jahren bin ich als Klinikseelsorger in der Neurologischen Klinik Bad Aibling tätig, einer Spezialklinik für schwerst Schädel-Hirn-Erkrankte mit dem Schwerpunkt der Frührehabilitation, insbesondere nach Schlaganfall oder Schädel-Hirn-Trauma. In der Klinik befindet sich nicht nur eine Intensivstation mit 23 Betten, sondern es sind auch auf den „Normalstationen“ Patient/innen mit verschiedensten Hirnschädigungen anzutreffen, bis hin zum Wachkoma (apallisches Syndrom). Sie befinden sich zumeist in „veränderten Bewusstseinszuständen“, d.h. sie können die momentane Situation nicht bzw. nur eingeschränkt wahrnehmen und adäquat auf diese reagieren. Schnell war mir klar, dass ich in dieser Klinik andere – und je nach Krankheit verschiedene - Zugänge zu Patient/innen finden muss als „nur“ das Gespräch, das ja für Klinikseelsorge der normale Weg ist. Dabei habe ich in meinem Einführungskurs in Klinischer Seelsorgeausbildung (KSA), in weiterführender Einzelsupervision und im Hospitieren bei den verschiedenen Therapieformen in der Klinik viel gelernt.

 

Nicht möglich war es mir allerdings, mangels Vorbildern, eine Kontaktaufnahme mit Patient/innen in komatösen Zuständen zu lernen. Diese Menschen werden als „nicht ansprechbar“ oder „nicht kontaktfähig“ bezeichnet, so dass ein Kontaktversuch von vornherein als zum Scheitern verurteilt angesehen wird. Hier leisten einige wenige Pionierarbeit, meist inspiriert von der „Prozessorientierten Psychologie“ (Prozessarbeit) des Ehepaars Mindell; in der Institution Krankenhaus sind dies – Seelsorger/innen. So wurde ich letztlich durch eigenen Misserfolg in Kontaktversuchen mit Koma-Patient/innen und durch meine damalige Kollegin, die einen ähnlichen Kurs besucht hatte, auf die Prozessarbeit aufmerksam gemacht. Ich konnte mich darin einarbeiten, durch das Studium der einschlägigen Literatur. Allerdings merkte ich bald die Grenzen dieser Lernmethode: es war für mich sicher „mehr drin“ als das, was ich aus den Büchern gewinnen konnte. Die angebotene Fortbildung war also nicht nur notwendig, sondern überfällig.
Mir ging es in erster Linie darum, in der Fortbildung meine Möglichkeiten im Umgang mit komatösen Patient/innen reflektierend zu vertiefen und zu erweitern.

Zum Schluss des Kurses kann ich nur sagen: meine beiden Ziele sind absolut erreicht, wenn nicht sogar übertroffen worden. dies geschah:

• Zum Einen durch die gewählten Methoden: vertiefende Theorieeinheiten, Reflexionen in Einzel-, Paar- und Gruppenarbeit, Selbst- und Fremdwahrnehmung von veränderten Bewusstseinszuständen, Besprechung von protokollierten Besuchen bei komatösen Patient/innen bzw. auf den Intensivstationen.

• Zum Anderen durch die zeitliche Strukturierung der Fortbildung: in der ersten Kurswoche konnte ich meine bisherigen Kenntnisse durch Reflexion und praktische Besuche auf einer Intensivstation im Klinikum Großhadern vertiefen und in der Zwischenzeit und der zweiten Kurswoche erweitern, durch protokollierte Besuche bei komatösen Patient/innen und deren Besprechung, aber auch durch die theoretische Auseinandersetzung mit der Thematik. Darüber hinaus habe ich eine ganz neue Sicht der Dinge kennen gelernt, die es in Zukunft umzusetzen gilt. Zu meinem Lernerfolg hat sicher die Gruppe der Teilnehmer/innen in hohem Maß beigetragen. Hervorzuheben ist v.a. das Miteinander der Konfessionen und Berufsgruppen, so wie es uns Seelsorger/innen gut ansteht. Wir waren geeint durch ein gemeinsames Selbstverständnis als Seelsorger/innen und durch eine außerordentlich hohe Lernbereitschaft. Zusammenfassend kann ich diese Fortbildung nur dringend weiterempfehlen:

• Für alle Seelsorger/innen, die mit Menschen in veränderten Bewusstseinszuständen in Kontakt treten möchten

• Aber auch für alle Klinikseelsorger/innen, die auf einer Intensivstation arbeiten Dies war nicht Schwerpunkt meiner Motivation, an dieser Fortbildung teilzunehmen; gleichwohl ist das Arbeitsfeld „Intensivstation“ an einer Klinik noch einmal ein spezielles, und damit auch für die Klinikseelsorge eine ganz eigene Herausforderung. Auch dies wurde in der Fortbildung umfassend behandelt. Deshalb möchte ich nicht versäumen, abschließend der Kursleitung und dem Veranstalter ganz herzlich zu danken: dass sie diese Fortbildung überhaupt angeboten haben, und, wie sie es getan haben!

Christoph Diehl, Pastoralreferent Neurologische Klinik Bad Aibling, Teilnehmer 2008/09

 


 

Der Fortbildungskurs „Traumland Intensivstation – Als Seelsorger(in) zwischen den Welten“, den Pfarrer Thomas Kammerer und Peter Ammann durchführten, ist ein Muss für alle, die auf Intensivstationen als Seelsorger arbeiten. Die ITS braucht mehr als die Befähigung durch einen KSA-Kurs, zu komplex ist die Situation der ITS , für die Ärzte, das Pflegepersonal , die Patienten in veränderten Bewußtseinszuständen und deren Angehörigen.

Aufgrund der neueren Forschungen auf dem Gebiet der prozessorientierten Kommunikation kann man Zugang zu diesen Patienten finden und ermöglichen, Kommunikation aufbauen, was aber eine Schulung voraussetzt. Dieser Kurs hat dafür Verständnis und Befähigung geschaffen, die unbedingt notwendig ist, wenn man als Seelsorger auf einer ITS seine Aufgabe kompitent erfüllen will.

Durch die Methoden der prozessorientierten Kommunikation kann der Seelsorger diese Patienten, von denen man landläufig sagt, dass sie nicht ansprechbar sind, dass sie nichts mitbekommen ….,spürbar erleben lassen, dass sie leben, dass ihnen als Mensch Würde und Ansehen eigen ist und diese ihnen auch zugesprochen wird.

Beide Referenten verfügen über ein profundes Wissen und langjährige Erfahrung und haben die Fähigkeit, beides motivierend mit konkreten und praktischen Übungen weiterzugeben. Mit Christine Pöllmann, KSA- Supervisorin, konnten wir bei der Besprechung unserer Verbatims unsere Kommunikation mit Gewinn reflektieren , korrigieren und verbessern.

Dieser Fortbildungskurs hat sich für mich persönlich und für meine seelsorgerliche Tätigkeit sehr gelohnt.

Andreas Zehentmair, Klinikpfarrer,  Klinikum Traunstein, Teilnehmer 2008/09

 


 

Was mache ich als Seelsorgerin mit einem Patienten der im Koma liegt?

Immer wieder stellte ich mir diese Frage und fand auch unter Kollegen keine wirklich befriedigende Antwort darauf. Mit großer Unsicherheit stand ich da immer wieder auf der Intensivstation am Bett von Menschen in anderen Bewusstseinszuständen und fragte mich, was ich als Seelsorgerin hier überhaupt tun könne!

Der Kurs Traumland Intensivstation hat mir darauf viele Antworten gegeben:

1. Ich habe viel über die Verschiedenheit von anderen Bewusstseinszuständen erfahren, was mir heute hilft eine Patientensituation differenzierter einzuschätzen. Dazu gehört auch zu erkennen, dass Menschen durch Körperreaktionen auf Ansprache, Anwesenheit und/oder Berührung durchaus reagieren, wir geübt haben solche Reaktionen wahrzunehmen und wiederum darauf einzugehen.

2. Protokollbesprechungen (Begegnungen: Seelsorger - Patient - Angehöriger - Arzt/Pflege) haben die Wahrnehmung der unterschiedlichen Bedürfnisse in einer sehr sensiblen Situation geschärft. Wir haben uns als Gruppe in die jeweilige Protokollsituation hineinbegeben können, weil wir sie aktiv „nachgestellt“ haben, uns selber so in verschiedene Personen hineingedacht, deren Rolle übernommen haben. Ein Beispiel: Wer als Patient ohne Worte, scheinbar einfach nur da lag, konnte plötzlich ein Gefühl für diese Situation bekommen und Gefühle dazu entwickeln.

3. In Partnerübungen haben wir erfahren und ausprobiert, eine Ahnung davon bekommen, wie angewiesen ein jeder Mensch auf die Kontaktaufnahme und Zuwendung der Außenwelt ist, besonders, wenn man sich in anderen Bewusstseinszuständen befindet. Selber einen Fremden zu berühren, Berührungen zu erfahren sensibilisiert und ermutigt gleichzeitig!

Ich habe mich auf eine Art Forscherreise: Traumland Intensivstation begeben, mit vielen Fragen und auch Unsicherheiten, was ich wohl so herausfinden würde. Ich bin reich an Erfahrungen und Wissen zurückgekehrt, habe noch einiges in meinem „Gepäck“, das ich für mich auswerten muss, manches wo ich weiterforschen werde. Konkret bedeutet das für meinen Seelsorgealltag auf der Intensivstation:

 

  • Durch meine erworbene Sachkenntnis bin ich mit dem Pflegepersonal und den Ärzten anders im Gespräch
  • Ich habe eine ganz andere Ruhe und Gelassenheit am Bett von Patienten in anderen Bewusstseinszuständen als zuvor - Ich versuche solche Patienten regelmäßig zu Besuchen
  • Bei den Besuchen habe ich inzwischen verschiedene Wahrnehmungskanäle im Blick, das hilft mir den Patienten dort zu suchen, wo er/sie sich befindet, mit ihm/ihr in Kommunikation zu kommen.
  • Ich horche mehr und traue meiner Wahrnehmung in solchen Situationen mehr als zuvor.

Besonders wichtig ist es mir von meinen Erfahrung zu erzählen. Ich hoffe damit andere Kollegen neugierig zu machen oder ermutigen zu können sich mit dieser Thematik auseinander zu setzen. Vielleicht sogar selber diese Fortbildung zu machen.

Patienten brauchen in anderen Bewusstseinszuständen Ärzte, Pflege und Angehörige. Genauso brauchen sie aber Seelsorger, die es auch in solch einer Lebenssituation mit dem Patienten aushalten und das Angebot machen in Kommunikation treten zu wollen – dabei ist der Patient angewiesen auf die Kontaktaufnahme von außen.

Margot Kruse, Diakonin, Klinikum Rotenburg

 


Die Motivation meiner Teilnahme resultierte aus den Eindrücken meines Bemühens, mich als Krankenhausseelsorger vom ersten Tag meiner Arbeit an bewusst auch Patienten auf der Intensivstation zur Verfügung stellen zu wollen. Ich bin dabei allerdings sehr schnell an meine Grenzen gestoßen, habe die Schwierigkeiten der Kommunikation zu spüren bekommen und bin mit der ständigen Unsicherheit, sich zwischen einer hochtechnisierten Medizin bewegen zu müssen, konfrontiert gewesen. Mein Wunsch war es daher, kranken Menschen in dieser extremen Situation in einer ihnen angemessen Weise zur Seite stehen zu können. Der o.g. Kurs bot dafür interessante Lernansätze an. [...]

Im Rückblick und der Reflexion habe ich diesen Kurs als eine sehr interessante aber auch anstrengende Herausforderung erlebt. Das Menschenbild, das hinter dem prozessorientierten Ansatz steht und den ganzen Menschen im Blick hat, nicht erlaubt, die objektive Situation von dem subjektiven Erleben zu trennen, deckt sich mit meiner biblisch-theologischen Überzeugung.

Die Wege möglicher Kommunikation mit Menschen in komatischen bzw. veränderten Bewusstseinszuständen waren für mich ein mühsames Üben und haben mich an Grenzen gebracht. Andererseits bin ich dankbar für die Erweiterung und Schärfung der Wahrnehmung wie auch Sensibilität für bisher unbekannte oder bisher übersehene Kommunikationsformen

Es wird darauf ankommen, meine Gangart zu finden, etwas von den vielen Impulsen in die Arbeit auf der ITS einzubringen und zu vertiefen.

Ich bin noch unsicher, ob und in welcher Weise ich den prozessorientierten Ansatz verständlich und gewinnend kommunizieren kann.

Worin ich durch diesen Kurs bestätigt bin ist, dass Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation, die mit einen hohen medizinisch-technischen Aufwand ärztlich und pflegerisch betreut werden um so mehr eine besondere menschliche und auch mitunter auch seelsorgliche Zuwendung brauchen. Daran möchte ich gerne versuchen, in Zukunft professioneller zu arbeiten. Ein erstes Handwerkzeug hat mir diese Fortbildung dafür geben können.

Ralf-Peter Greif, Pastor an zwei Kliniken der Immanuel-Diakonie Group, Berlin-Brandenburg

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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